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Unendlicher Himmel über der Mongolei

Aktualisiert: 12. Nov 2019


Das „Land des blauen Himmels“ bereitet uns einen frostigen Empfang. Der Wind ist eisig, in der Nacht ist Schnee gefallen. Wir stehen dick eingepackt an der Grenze. Niemand spricht Englisch und wir kein Mongolisch. Die Formalitäten ziehen sich hin. Der Charme - sofern vorhanden - muss sich irgendwo hinterm Ofenrohr versteckt halten. Der letzte Stempel saust auf die Dokumente. Wir können rein. Kein "Welcome", kein "good luck". Kaum angekommen, wird uns jedoch wohlig warm ums Herz. Der Schnee weicht warmen Brauntönen. Die Landschaft ist karg, doch voller Farben. Und sie ist weit. Unendlich weit. So weit das Auge reicht.







Die Mongolei hat die kleinste Bevölkerungsdichte aller Staaten, entsprechend einsam sind die Fahrten durch die Landschaft. Und doch sind wir kaum allein. Herden von Yaks, Kamelen, Pferden, Ziegen und Schafen bevölkern den kargen Boden. Nicht selten ziehen majestätisch Steinadler ihre Kreise und immer wieder überraschen wir eine Gruppe Aasgeier bei ihrem Mahl am Strassenrand.

Offroad fahren ist nicht jedermanns Sache, aber wer deswegen in die Mongolei fährt, wird nicht enttäuscht. Uns erwarten malerische Routen, erloschene Vulkane, steile Hänge, ausgewaschene Täler, rauschende Flüsse, die Sanddünen der Wüste Gobi, Sumpflandschaften, dichte Lärchenwälder und spektakuläre Canyons. Bis wir drei Wochen später mit Ulan Bataar die kälteste Kapitale der Welt anfahren, werden es sechs platte Reifen sein.


Über staubige Pisten suchen wir uns den Weg. Immer wieder führen auf einer Breite von fünf Kilometern bis zu 20 Tracks in dieselbe Richtung, um schliesslich unangekündigt abzudriften. Manche sind ausgefahren oder durch das letzte Gewitter unpassierbar geworden. Auf Karten verzeichnet sind sie selten. Einzig die Hauptstrassen und grösseren Nebenstrassen sind mittlerweile asphaltiert und erleichtern das Vorankommen. Die Distanzen sind riesig. Unterwegs blauer Himmel, soweit das Auge reicht.



Die Mongolei hat Aussergewöhnliches zu bieten - kulturell wie landschaftlich. Augenfällig sind die vielen Klöster. Im "Land der Nomaden" waren buddhistische Klöster meistens die einzigen dauerhaften Strukturen. Vor der kommunistischen Diktatur gab es in der Mongolei offenbar über 1200 Klöster und rund 30 Prozent der männlichen Bevölkerung waren Mönche. Heute gibt es noch eine Handvoll Tempel und tausende Mönche wurden ermordet oder “umerzogen”. Viele Klöster wurden indes wieder aufgebaut und die Menschen verbinden tibetischen Buddhismus geschickt mit schamanistischen Traditionen.


Dazu gehören insbesondere auch die Obo. Es sind Steinhaufen, die als Reisegottheiten auf vielen Gebirgspässen in der Mongolei aber auch in Tibet zu finden sind. Sie sind geschmückt mit meist blauen Tuchstreifen und ein bis zwei Meter hoch. Umrundet man den Obo dreimal und denkt dabei an seine Wünsche, soll er dem Reisenden Glück bringen. Dabei legt man jedes Mal einen unten liegenden Stein oder eine andere Opfergabe oben auf den Obo.



Die landschaftlichen Schätze sind sehr viel einfacher zugänglich als die Menschen und faszinieren uns täglich. Es gibt endlose Graslandschaften und Sandklippen, die im Sonnenuntergang wie Feuer leuchten. Es gibt die Wüste Gobi, in der die Differenz zwischen Höchst- und Tiefsttemperatur so hoch ist, wie nirgends sonst auf der Welt. Es gibt ewiges Eis auf den Gipfeln des Altai und Orte, an denen kaum je ein Tropfen Regen fällt. Irgendwo im nirgendwo entspringt an einer 100 Meter hohen Sanddüne ein Fluss - nur um wenig später in einer anderen Düne wieder zu versiegen. Allerdings ist der Fluss gross genug, um täglich Herden von Schafen, Pferden, Yaks und Ziegen zu tränken. Dass der Fluss den Sand der Düne mitführt, merkt leider ein ausgewachsenes Schaf zu spät. Es sinkt mit allen vier Beinen ein und bewegt sich keinen Milimeter mehr. Wir eilen dem Hirten zu Hilfe und graben das Schaf mit vereinten Kräften aus dem Schlamm. 



Der Nordwesten des Landes ist das Land der Adlerjäger, der sogenannten Berkutschis. Es sind kasachisch-stämmige Mongolen, die hier im Altai-Gebirge eine Tradition ihrer Ahnen zur Schau stellen. Im Herbst finden diverse Festivals und Wettkämpfe statt. Bis man mit einem Adler arbeiten und jagen kann, braucht es Wochen und Monate. Die Aufmachung beeindruckt.

Im Mittelpunkt stehen die Adler. Die Tiere sind gross, mit einer Spannweite von über zwei Metern schlicht beeindruckend. Ihr Schrei ist laut und grell, geht durch Mark und Bein. Die Augen erspähen aus grösster Distanz die Beute. Wenn sie ihre Schwingen ausbreiten und abheben, ist die Beute nicht mehr sicher. Die Klauen der Fänge sind messerscharf, der Schnabel spitz und kräftig. Adler sind präzise Jäger. Da sind aber auch die Adlerjäger. Sie tragen Mäntel aus Fuchsfellen, bunt bestickte Hosen und Lederstiefel, die ein Leben lang an den Füssen bleiben. Die Gesichter vom Leben draussen gezeichnet, die Fell- oder Wollmützen tief in die Stirn gezogen. Es sind kasachisch-stämmige Mongolen, welche die Tradition ihrer Ahnen weiterleben. Trotzdem wird das Nomadenleben als Adlerjäger wohl nicht mehr lange überleben - als Touristenattraktion hingegen schon.